Was ist normal?

Normalität oder normal sein bedeutet, einer Mehrheit anzugehören und das Verhalten, das diese Mehrheit macht, als Vorbild zu sehen und daher selbst nachzuahmen.

Auf meinem Blog verwende ich ganz bewusst nicht die Bezeichnungen normal oder Normalität. Denn was als normal gilt, muss deswegen noch lange nicht für den betreffenden Menschen gesund sein und funktionieren. Was die Mehrheit meint, erwartet oder sogar verlangt, was also “normal ist”, kann entweder komplett falsch oder einfach egal sein – solange die persönlichen Grenzen von allen Beteiligten nicht übergangen werden.

Begriffe wie abnormales Verhalten (ab = lat. von [der Normalität] weg), wie bei psychischen Erkrankungen oder in der Sexualität, fragen eigentlich nach der Gesundheit der Betroffenen, daher verwende ich auch genau diese Adjektive dafür. Aus einem abnormalen Verhalten wird dann, je nachdem, ob es für den betroffenen Menschen funktioniert, ein gesundes oder krankmachendes Verhalten.

Was bedeutet Dating?

“Blöde Frage…”

Nein, interessanterweise ist das keine blöde Frage. Der Begriff Dating ist nämlich uneindeutig, da er bereits die Verwechslung von Sex und Liebe beinhaltet, und sollte daher mit Vorsicht auf seine jeweilige Bedeutung verwendet werden.

Dating bezeichnet die Anbahnung einer romantischen Beziehung – es geht also um Verliebtheit/Beziehungswunsch/Partnerschaftsleben/Liebe – und nicht die Anbahnung eines sexuellen Abenteuers. Der Begriff dafür lautet Swingen.

Was bedeutet queer?

Im englischen Sprachraum wurde das Wort ursprünglich als Beschimpfung oder abwertende Eigenschaft benutzt. Es bezeichnet als Adjektiv Dinge oder Personen, die von der Norm abweichen. Auf Deutsch bedeutete queer seltsam oder eigenartig. Seit den 1980er-Jahren wurde das Wort insbesondere von der Schwulen-, Bi- und Lesben-Bewegung positiv besetzt und wird heute von dieser als Eigenbezeichnung verwendet: Queere Bewegung, queere Szene, queere Subkultur. Das Kürzel LGBT fasst die am häufigsten vorkommenden Identitäten in der queeren Szene zusammen (Lesbian, Gay, Bi, Trans) und wird deshalb oft als Synonym verwendet.

Daneben gibt es noch andere Definitionen von queer, die sich nicht ausschließlich um homoamore und homosexuelle Orientierungen drehen, sondern auch weitere Geschlechter, und alternative Lebensweisen miteinschließen, welche als einzigen gemeinsamen Nenner “abseits des Hetero-Mainstreams” beinhalten. Diese werden dann mit anderen Kürzeln wiedergegeben. Die Aufnahme solcher neuer Gruppen unter den Begriff queer sowie die Gestaltung der Kürzel sind allerdings in der queeren Szene und sogar unter Beteiligten der jeweiligen Gruppen heftig umstritten.

Das zweithäufigste Kürzel für die queere Subkultur steht für eine solche Erweiterung und hat deshalb mehr Buchstaben: LGBTQIA* (Lesbian, Gay, Bi, Trans, ergänzt mit Queer, Intersex, Asexual). Der Stern steht für die Menschen, die sich nicht mit den verwendeten Begriffen im Kürzel identifizieren, aber die sich aufgrund anderer persönlicher Eigenschaften als Teil der Bewegung fühlen. LGBTQIA* ist somit ein rekursives Akronym (= Es enthält sich selbst): Es bedeutet queer, enthält queer jedoch nochmal als eigenen Buchstaben. Dieser wird genutzt, um entweder weitere noch nicht genannte Geschlechter, BDSM-Praktizierende, oder Menschen, die Polyamorie leben – oder alle jene Gruppen auf einmal – zu bezeichnen.

Was ist Intersex? Was ist Intergeschlechtlich?

Im Diskurs um Geschlechterdefinitionen werden die Begriffe intersex(uell) und intergeschlechtlich aus Unwissenheit oft gleichbedeutend verwendet – dabei bezeichnen sie zwei grundverschiedene Eigenschaften.

Intersexuell ist übrigens eine falsche, und Verwirring stiftende, Schreibweise. Das korrekte Adjektiv lautet intersex. Denn die Endung – sexuell bezeichnet eine sexuelle Orientierung (wie bisexuell oder homosexuell), während intersex eben keine sexuelle Orientierung, sondern einen Begriff für bestimmte Geschlechtsorgane darstellt.

Menschen können weiblich, männlich oder intersex geboren werden. Es handelt sich dabei um drei Formen des primären Geschlechtsorgans/genitalen Geschlechts von Menschen.

  1. Weiblich bedeutet: besitzt eine Vulva, aber keinen Penis.
  2. Männlich bedeutet: besitzt einen Penis, aber keine Vulva.
  3. Intersex bedeutet: besitzt nicht nur eine Vulva oder nur einen Penis, sondern eine Mischform. Meistens ist dabei ein Organ voll entwickelt, während ein anderes geringer ausgebildet ist. Genauso können aber beide Organe vorhanden und vollständig entwickelt sein oder aber beide Organe zwar vorhanden, aber nicht voll ausgebildet sein.

Da das genitale Geschlecht nur einer aus mehreren Bestandteilen eines Geschlechts ist, bedeutet ein solches primäres Geschlechtsorgan für den betreffenden Menschen nicht automatisch, dass diese_r sich als Erwachsener als ein drittes oder weiteres Geschlecht fühlen wird. Manche entwickeln nämlich bis dahin ein binäres Geschlecht (= Frau oder Mann), an das sie ihren Körper mittels Transition anpassen möchten. Für andere hingegen stehen ihr genitales und biologisches Geschlecht sowie ihr gefühltes Identitätsgeschlecht nicht im Widerspruch zueinander. Diesen Menschen entspricht dann tatsächlich ein weiteres Geschlecht am besten.

An dieser Stelle macht der Begriff Intergeschlechtlich Sinn. Intergeschlechtliche Personen sind nämlich Menschen, deren genitales Geschlecht intersex ist und die sich als ein weiteres Geschlecht abseits der Geschlechter Frau und Mann fühlen. Die bekanntesten Begriffe dafür sind drittes Geschlecht oder nicht-binäres Geschlecht – ein Geschlecht also, das zusätzlich zu den zwei Geschlechtern der binären Geschlechterordnung existiert.

Was ist Butch? Was ist Femme?

Mit Femme und Butch werden zwei verschiedene Arten Selbstausdruck von Frauen beschrieben, welcher sowohl durch das Aussehen als auch über wiederkehrende Verhaltensmuster wiedergegeben wird.

So sind Femmes (eine Femme, mehrere Femmes) Frauen, die überwiegend Attribute der sozialen Rolle “Frau” verwenden – z. B. mehrere oder alle aus der folgenden Auflistung:

  • Frisur: lange Haare
  • Kleidung: Röcke oder Kleider statt Hosen
  • Kosmetik: wenn, dann gerne auffällig (z. B. Lippenstift)
  • Unethische Kontrollausübung: zurückhaltend, “hinterfotzig”, indirekte Manipulationsspiele (z. B. Gaslighting, Tone Policing, Verleumdung)
  • die patriarchale Lüge der Rolle “Frau”: “Ich will keinen Sex [zum Spaß], sondern nur Liebe”
  • Verhalten beim Sex: eher passiv (bei lesbischem Sex: pillow princess – eine Frau, die lieber am Polster liegt und genießt)
  • BDSM: submissiv, Bottom

Butches (eine Butch, mehrere Butches) hingegen sind Frauen, die überwiegend Attribute der sozialen Rolle “Mann” benutzen, die teilweise das genaue Gegenteil davon sind, z. B. mehrere oder alle aus der folgenden Auflistung:

  • Frisur: Kurzhaarschnitt
  • Kleidung: Hosen statt Röcke oder Kleider
  • Kosmetik: entweder nicht oder selten, und wenn, dann eher dezent
  • Unethische Kontrollausübung: raumeinnehmend, lieber direkt (z. B. Unterbrechen, Gespräche abwürgen, Gegenüber öffentlich abwerten)
  • die patriarchale Lüge der Rolle “Mann”: “Ich brauche keine Liebe, sondern nur [sexuelle] Abenteuer”
  • Verhalten beim Sex: eher aktiv
  • BDSM: dominant, Top

Das Begriffspaar stammt aus der lesbischen Subkultur und wurde daher ursprünglich nur auf Frauen angewandt, die lesbisch leben (also homo- oder biamor sind). Mittlerweile werden beide Begriffe allerdings für alle sexuellen und romantischen Orientierungen verwendet (z. B. Femme Men = Männer, die für ihr Aussehen Attribute der Rolle “Frau” verwenden). Um weiterhin Identifikationen für speziell lesbische und lesbisch lebende Bi-Frauen beider Typen zu haben, sind allerdings andere Begriffe dafür entstanden.

So wird Dyke oft gleichbedeutend mit Butch verwendet, bezeichnet allerdings ausdrücklich eine lesbische / lesbisch lebende Butch, während die Bezeichnung Butch sowohl lesbische Frauen als auch Hetero-Frauen meinen kann. Analog dazu gibt es den Ausdruck lipstick lesbian, mit dem ausdrücklich eine lesbische / lesbisch lebende Femme gemeint ist.

Für Männer gibt es diese Unterteilung übrigens genauso, allerdings nicht in einer (für mich erkennbaren) strukturierbaren Einteilung. Vielmehr hat die schwule Subkultur anstatt Überbegriffe wie Butch und Femme der lesbischen Subkultur Begriffe für einzelne Eigenschaften entwickelt: So wird ein Mann, dessen Aussehen der sozialen Rolle “Mann” entspricht (also groß, muskulös und behaart) mit Bear (englisch für Bär) beschrieben. Ein Mann hingegen, der sich beim Sex in der Rolle “Frau” verhält – der also bei schwulem Sex lieber passiv oder submissiv ist – wird humorvoll Döschen (Verkleinerungsform von Dose) genannt.

Wofür steht FLIT / FLINT?

Das Kürzel FLIT steht für eine Zusammenfassung verschiedener Gruppen innerhalb der queeren Subkultur, die sich um die Orientierung lesbisch-homoamor und/oder lesbisch-homosexuell drehen. Es steht für Frauen, Lesben sowie Intergeschlechtliche und Trans-Personen, die sich der lesbischen Szene zugehörig fühlen. Lokale oder Veranstaltungen mit diesem Kürzel sind geschützte Räume und beschränken den Eintritt auf die genannten Personengruppen.

Ausdrücklich ausgeladen sind lediglich Männer (= Menschen, die mit einem Penis geboren wurden und die keinen Wunsch danach haben, ihre Selbstbezeichnung oder ihr Geschlechtsorgan zu ändern), da diese in einer patriarchalen Gesellschaft im Vergleich zu allen anderen Geschlechtern von den wenigsten Unterdrückungsmechanismen betroffen sind.

“Zugehörig fühlen” kann bedeuten, dass eine FTM-Trans-Person, obwohl als Mann identifiziert, aufgrund der Diskriminierung in der Mainstream-Gesellschaft die geschützten Räume in Anspruch nimmt. Einige Trans-Männer kritisieren dies jedoch, da ihr Zutritt zu diesen Räumen impliziert, dass sie “eine andere Art Mann” wären, und sie es so schwerer haben, als Mann vom Hetero-Mainstream akzeptiert zu werden. Außerdem beklagen Frauen mit maskulinem Aussehen (Butch, Dyke), das sie von manchen Szenegänger_innen als Mann gelesen werden, und dann keinen Zutritt zu den gewünschten Veranstaltungen erhalten.

Wie das obige Beispiel zeigt, sind sowohl die eingeladenen als auch die ausgeladenen Personen schwammig definiert, weswegen das Konzept sowohl innerhalb der queeren Szene als auch unter Beteiligten der jeweiligen Gruppen umstritten ist.

Im Jahr 2017 setzte sich mit FLINT ein neues Kürzel für dieselbe Szene durch, das wahlweise auch mit Stern (FLINT*) geschrieben wird. Das neue N steht für nicht-binäre Personen, also weitere Geschlechter abseits der binären Geschlechter Frau und Mann. Das Kürzel lädt also nun Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche Personen, Nicht-binäre Geschlechter und Trans-Personen ein.

So wie auch LGBTQIA* ist die neue Buchstabenkombination wieder ein rekursives Akronym, denn Intergeschlechtliche fallen unter die Gruppe der nicht-binären Geschlechter, wodurch die Bedeutung des I nun doppelt vorkommt.

Was bedeutet WSW und MSM?

Das im englischen Sprachraum entstandene WSW steht für “Woman who has sex with other women”, zu Deutsch FSF (“Frau, die Sex mit Frauen hat”). MSM bedeutet analog “Man who has sex with other men”, also “Mann, der Sex mit Männern hat”. Frau und Mann beziehen sich in diesem Fall auf das genitale Geschlecht (engl. sex), also Frau steht für Mensch mit Vulva, und Mann für Mensch mit Penis.

WSW und MSM sind politisch eingeführte Bezeichnungen, um Menschen bei der öffentlichen Prävention gegen HIV/Aids ohne Diskriminierung anzusprechen und die Kommunikation auf das Wesentliche zu beschränken: Welche Geschlechtsorgane bei einem sexuellen Erlebnis wie in Berührung kamen und inwiefern sich jemand dabei mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anstecken kann.

Was ist Polyamorie?

Polyamorie bezeichnet, obwohl sie immer wieder in diesem falschen Kontext genannt wird, keine alternative Sexualität, sondern ein alternatives Modell über romantische Beziehungen. Die Adjektive sind polyamor, polyamourös oder (abgekürzt) poly.

Etymologisch besteht das Wort aus poly (= altgriech. mehr als eins, viele) und amor (= lat. Liebe). Damit werden Menschen benannt, die Verliebtheit/Beziehungswunsch/Partnerschaftsleben/Liebe auf der Ebene Liebe mit mehr als einem Menschen gleichzeitig leben wollen. Die zentrale Eigenschaft ist dabei, dass alle Beteiligten im Beziehungsgeflecht von der gegenseitigen Existenz wissen und diese im Konsens leben. Abgesehen von diesem Prinzip gibt es keinen einheitlichen Weg, Polyamorie zu leben.

Ich, die Verfasserin dieses Blogs, lebe selbst polyamor: Ich habe eine Freundin und einen Freund, die beide ebenfalls ein Pärchen sind. Zusammen bilden wir eine romantisch geschlossene Triade (= Wir sind drei Menschen, und wir wünschen uns alle keine weiteren Liebesbeziehungen).

Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von der Poly-Ideologie, also den Glaubenssätzen über polyamore Beziehungen, die von Menschen, die sich selbst als poly bezeichnen, und auf sogenannten Poly-Treffen und -Stammtischen verbreitet werden.