Wie geht guter Sex? – Teil 1/4: Was ist Vanilla-Sex?

Dieser Begriff wurde von der BDSM-Szene entwickelt und bezeichnet die häufigste sexuelle Spielart unter Menschen, also Sex ohne Kontrollaustausch, bei dem alle Beteiligten auf derselben Stufe stehen – im Gegensatz zu BDSM. Der Ausdruck Vanilla ist neutral, nicht abwertend, und sollte auch so verwendet werden.

Leider wird der Begriff Vanilla-Sex entgegen seiner Bedeutung auch abwertend verwendet, und zwar dann, wenn er mit den Begriffen Blümchen-Sex und Kuschel-Sex gleichgesetzt wird. Das ist falsch, denn Blümchen-Sex bezeichnet eben nicht Vanilla-Sex, sondern durchschnittlich langweiligen oder schlechten Sex von Menschen, die nicht fähig sind, über ihre sexuellen Bedürfnisse und Fantasien (ausreichend) zu kommunizieren. Eine Variante von Blümchen-Sex ist Kuschel-Sex, bei dem die Beteiligten zwar ihre Genitalien ineinander stecken/aneinander reiben, jedoch das Ziel nicht sexuelle Lust, sondern gemeinsames Kuscheln ist (das wegen der Verwechslung von Sex und Liebe ohne Sex viel besser funktionieren würde, aber das scheinen diese Menschen nicht zu wissen). Bei Kuschel-Sex können die Beteiligten zwar das Kuscheln genießen – der nebenbei stattfindende Sex ist dadurch jedoch garantiert nicht aufregend, und im Wiederholungsfall langweilig.

Dabei benutzen insbesondere Szenegänger_innen der BDSM-Szene Vanilla-Sex und Blümchen-Sex/Kuschel-Sex gleichbedeutend und werten dadurch Vanilla-Sex ab. Da diese Doppelbedeutung existiert, empfehle ich, in einem Gespräch nachzufragen, welche Bedeutung jetzt gemeint ist. Meistens erschließt sich das jedoch ohnehin aus dem Kontext: Ist es eine neutrale Unterhaltung oder wird über einen „gemeinsamen Feind“ geschimpft?

Wie geht guter Sex? – Teil 2/4: Organische Chemie

An wen richtet sich der Artikel?

Welche Orientierungen, sozialen Rollen, oder Geschlechter der Artikel anspricht
Sexuelle Orientierung(en): heterosexuell, heterosexuell lebend wenn bisexuell
Romantische Orientierung(en): heteroamor, heteroamor lebend wenn biamor
Geschlecht(er): alle
Wer ist mit Frau und Mann gemeint?
  • Frau steht für Mensch mit Vulva, überwiegend in der Rolle „Frau“
  • Mann steht für Mensch mit Penis, überwiegend in der Rolle „Mann“
Erweiterbar auf: alle sexuellen und romantischen Orientierungen

Manche behaupten, dass jeder Mensch andere sexuelle Vorlieben hat und daher allgemeine Prinzipien für „guten Sex“ nicht definiert werden könnten. Dieser Ansicht bin ich nicht. Während es richtig ist, dass kaum zwei Menschen die exakt gleichen Vorlieben in exakt der gleichen Stärke haben, gibt es sehr wohl einige Grundlagen, wie eine Vulva oder ein Penis beim Sex funktioniert, und was in weiterer Folge guten Sex ausmacht. Da in einer patriarchalen Mehrheitsgesellschaft die Ebene Lust von Frauen wesentlich mehr unterdrückt wird, als die von Männern (deren Unterdrückung betrifft stattdessen die Ebene Liebe), drehen sich die folgenden Artikel mehr um die sexuelle Funktion einer Muschi.

Jeder Körper, der sexuelle Lust empfindet, macht unwillkürlich Kontraktionen mit den Muskeln rund um den Genitalbereich. Viele Menschen spüren das als plötzliche Bewegungen am ganzen Körper, die sie nur mit Mühe unterdrücken können, wenn sie sich selbst befriedigen oder Sex haben.

Bei einem weiblichen Körper funktioniert das so: Wenn ein Dildo, Finger oder Penis in der Scheide hin- und herbewegt werden, und sich das für die Frau lustvoll anfühlt, ziehen sich die Muskeln rund um die Scheide zusammen und entspannen sich wieder. Je mehr Lust die Frau empfindet, desto stärker und schneller. Am stärksten sind diese Kontraktionen während dem weiblichen Orgasmus.

Beim Hetero-Sex, konkret beim Geschlechtsverkehr, nützen die Muskelbewegungen aber nicht nur der Frau, sondern sie massieren auch einen in der Scheide steckenden Penis mit. Das ist für den Mann üblicherweise ebenfalls lustvoll. Beim Ficken bedeutet das für einen Mann: Je mehr Lust die Frau empfindet, desto besser wird sein Penis massiert, und desto mehr Lust wird er selbst empfinden. Daher verhält sich ein Mann, dem die Lust der Frau beim Hetero-Sex „zu viel Arbeit“ ist, eigentlich dumm: Er nimmt sich selbst eine richtig geile Penismassage weg.

Dieses Prinzip ist auf gleichgeschlechtlichen Sex direkt übertragbar:

Bei lesbischem Sex, sei es durch Fingern, Lecken oder einen Dildo, sind die Muskelbewegungen der Frau, die dadurch Lust empfindet, auch für die aktive Frau lustvoll, die so direkt spüren kann, wie ihr Gegenüber ihre Handlungen genießt.

Die Muskeln rund um den After funktionieren genauso wie die rund um die Vulva (bei einem weiblichen und einem männlichen Körper). Bei schwulem Analverkehr, den der passive Mensch lustvoll findet, massieren seine Muskelbewegungen daher den Penis des aktiven Menschen auf die gleiche Weise mit.

Wie geht guter Sex? – Teil 3/4: Wie besorge ich es als Mann einer Frau so richtig?

An wen richtet sich der Artikel?

Welche Orientierungen, sozialen Rollen, oder Geschlechter der Artikel anspricht
Sexuelle Orientierung(en): heterosexuell, heterosexuell lebend wenn bisexuell
Romantische Orientierung(en): heteroamor, heteroamor lebend wenn biamor
Geschlecht(er): Mann
Wer ist mit Frau und Mann gemeint?
  • Frau steht für Mensch mit Vulva, überwiegend in der Rolle „Frau“,
  • Mann steht für Mensch mit Penis, überwiegend in der Rolle „Mann“
Erweiterbar auf: alle Menschen, die sich überwiegend in der Rolle „Mann“ verhalten,
alle sexuellen und romantischen Orientierungen

Viele Hetero- oder Bi-Frauen in einer Hetero-Beziehung klagen das folgende Leid:

„Mein Freund/Mann stochert beim Sex nur irgendwie in mir herum. Seine Bewegungen fühlen sich zwar angenehm an, aber aufregend ist der Sex nicht. Ich komme beim Ficken selten / gar nicht. Mit einer anderen Spielart wie Selbstbefriedigung / Oralverkehr klappt es besser.“

Ein Mann, der „herumstochert“, wirkt auf die Frau so, als ob er seine Bewegungen nach dem Zufall oder nur nach seinem eigenen Lustgefühl auswählt.

Dass der Mann so ungeschickt ist, liegt fast immer daran, dass er mit Sex unerfahren ist. Entweder hat er noch nicht oft Sex gehabt, oder seine vergangenen Sex-Erlebnisse und/oder Ex-Beziehungen waren mit Frauen, die ebenfalls unerfahren waren und ihm keine Anleitung geben konnten.

Wie ich beobachtet habe, steckt hinter dieser ungeschickten Art aber ein System. Den wenigsten Männern ist es nämlich völlig egal, ob sie der Frau Lust machen. Der Grund sind vielmehr Verhaltensregeln der Rolle „Mann“, die die meisten Männer anerzogen bekommen. Eine falsche Überzeugung der Rolle „Mann“ behauptet:

„Mehr ist immer gleich besser.“

Das betrifft natürlich auch die männliche Sexualität – davon kommt die Obsession und der Minderwertigkeitskomplex vieler Männer, ob ihr bestes Stück auch groß genug ist („Größer ist immer gleich besser“). Für Frauen ist das Ausmaß dieser Sorge eines Mannes oft vollkommen unverständlich, entweder weil sie in der Rolle „Frau“ und damit ohne einen solchen Glaubenssatz erzogen wurden, oder weil sie als Besitzerinnen einer Scheide aus eigener Erfahrung wissen, dass ein zu großer Penis beim Sex kompliziert oder sogar schmerzhaft sein kann. Letzere finden den Mann mit dem größten Penis daher als erotisches Experiment durchaus interessant, bevorzugen aber für eine längerfristige Verbindung oder eine Beziehung einen Mann mit einer bequemen, praktischen Größe.

Beim Hetero-Sex, konkret beim Ficken in die Muschi – aber auch beim Fingern, Lecken, vaginaler Penetration mit einem Dildo sowie allen Arten analer Penetration – passiert nun Folgendes: Der Mann denkt, dass härter, schneller oder tiefer immer besser ist. Das führt dann zu zwei Verhaltensweisen, über die sich so viele Frauen beschweren, dass diese in Gesprächen unter Frauen bereits Klischeestatus erreicht haben:

  1. Am Beginn der Penetration dringt der Mann gleich mal bis zum Anschlag ein, gefolgt von schnellen Stößen, in der Annahme, dass die Frau bei so einem Raketenstart besonders abheben würde.
  2. Sobald die Frau erste Lustsignale zeigt, erhöht er (nochmals) sein Tempo oder stößt tiefer zu. Seine Annahme ist: Wenn seine Bewegungen vorher schon gut waren, dann müssen sie für die Frau schneller oder tiefer ja noch besser sein.

Beide Techniken sind jedoch ein Missverständnis: Die meisten Frauen funktionieren so nicht.

Raketenstart

Damit eine Frau Bewegungen in der Scheide überhaupt lustvoll finden kann, müssen zwei Bedingungen der Fall sein:

  • Entspannung: Sie muss genügend entspannt sein, damit sich ihre Muschi an den eingeführten Penis, Finger oder Gegenstand anpasst.
  • Feuchtigkeit: Sowohl ihre Scheide selbst als auch der Scheideneingang müssen feucht genug sein.
Entspannung

Jede Muschi bzw. die Muskeln rund um die Muschi passen sich automatisch an die Länge, Dicke und Form eines eingeführten Penis, Fingers oder Gegenstands an. Das macht der Körper jeder Frau automatisch, und ohne dass sie es bewusst mitbekommt. Die Dauer dieser Umstellung ist allerdings individuell verschieden – von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten. Beides ist gesund und richtet sich nach der Entspanntheit der Frau. Die (mögliche) Entspannung hängt übrigens wesentlich davon ab, ob sich die Frau in der sexuellen Situation sicher fühlt (Konsens), und der Mann sie höflich behandelt (Fairness)! Hat sie zu wenig Zeit bekommen, um sich auf die „Füllung“ einzustellen, reibt die Penetration an den noch unangepassten Stellen, was sich als unangenehmes Gefühl in der Muschi bemerkbar macht.

Feuchtigkeit

Zwar wird jede Frau feucht, wenn sie erregt ist, die Flüssigkeitsmenge ist jedoch von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche rinnen förmlich aus, andere produzieren nur ein paar Tropfen, die von außen erst nach dem Sex sichtbar sind. Beides ist gesund und sagt nichts darüber aus, wie sehr sie gerade Sex will: Eine sehr feuchte Frau will deswegen nicht unbedingt harten Sex, und eine scheinbar trockene Frau kann gerade völlig spitz sein. Gehört sie zu den Frauen, die durch Eigenproduktion generell wenig feucht werden, oder hat sie gerade einen weniger feuchten Tag, kann eine gute Befeuchtung durch Gleitgel, Spucke, oder schleimhautverträgliche Cremes hergestellt werden (Wasser hilft übrigens nicht, weil es nicht gleitet!). Diese Gleitfähigkeit muss allerdings überall in der Scheide, außen rund um die Scheide und an den Lippen gegeben sein – andernfalls haftet und „zieht“ die Penetration an der zu trockenen Stelle und erzeugt dadurch ein unangenehmes Gefühl.

Die ersten paar Stöße sind daher sowohl dazu da, dem Körper der Frau zu ermöglichen, sich ausreichend anzupassen, als auch um die Befeuchtung gleichmäßig zu verteilen.

Wenn der Mann nun mit der größten Tiefe und/oder dem schnellsten Tempo die Penetration beginnt, erzeugt das bei den meisten Frauen nicht etwa die angepeilten Lustgefühle, sondern ein neutrales, langweiliges Gefühl oder ein unangenehmes Ziepen oder Reiben. Wohl eher nicht der ideale Anfang von gutem Sex. Für eine sensible Frau oder eine, die gerade eine Infektion (wie einen Harnwegsinfekt) hinter sich hat, kann diese Technik sogar hauptsächlich schmerzvoll sein, was ihre Lust auf den gerade angefangenen Sex höchstwahrscheinlich abrupt beendet.

Beschleunigung ist nicht gleich besser

Damit eine Frau (und jeder passive Sexualpartner) überhaupt Lust empfinden kann, muss sie sich „bewegen lassen“, also sich fallen lassen und mitschwingen. Wenn sie Lustsignale zeigt, tut sie das deswegen, weil sie gerade gut mitgeht – sie genießt also die Bewegungen des Mannes, wie sie jetzt gerade sind. Wenn der Mann an dieser Stelle seine Bewegung ändert, verändert er auch die Situation, in die sich die Frau hinein entspannt hat – und zieht ihr so das Lustgefühl plötzlich wieder weg. Die Frau braucht dann einige Zeit, um sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. Sobald sie sich genügend entspannt hat, zeigt sie wieder Lustsignale – und der Mann beschleunigt wieder eine seiner Bewegungen, usw.

Diese lineare Abfolge zu durchschauen wäre ja noch einfach. Was das Ganze kompliziert macht, ist, dass ein Mann natürlich keine beliebig beschleunigbare Fickmaschine ist, sondern ein Mensch. Deswegen wird der Mann, der versucht, ständig zu beschleunigen und härter zu ficken, irgendwann plötzlich wieder langsamer werden, entweder weil ihm das schnelle Stoßen zu anstrengend geworden ist oder weil er durch die starke Reizung für seinen Geschmack zu schnell kommen würde (oder bereits gekommen ist).

Das bringt die Frau nun vollständig aus dem Konzept: Jedes Mal, wenn sie sich gerade gut entspannt hat und Lust empfindet, wird ihr das Lustgefühl weggezogen. Außerdem wird der Mann nicht nur abrupt schneller, sondern auch abrupt langsamer, und das in scheinbar zufälliger Reihenfolge, sodass sie nicht weiß, auf was sie sich nun einstellen soll. Das Ergebnis ist entweder eine Frau, die sich beim Sex übermäßig konzentrieren muss, um dabei dauerhaft Lust zu haben oder zu kommen – oder eine Frau, die gar nicht (mehr) mitmacht und die nur darauf wartet, bis er endlich kommt, weil ihr die Konzentrationsübung zu anstrengend (geworden) ist.

Als Mann kannst du aus dieser Spirale folgendermaßen aussteigen:

Egal wie dringend du sie hart ficken möchtest – beginne die Penetration immer halb so tief und halb so schnell als du es jetzt gerne hättest. Alternativ kannst du sie auch langsam (!) fingern, um sie zu entspannen und gleichmäßig feucht zu machen, bevor du deinen Penis verwendest. Wenn du Tiefe und/oder Tempo steigern willst, tu das als Faustregel erst nach dem fünften Stoß. Ausnahme: Sie sagt dir direkt, dass sie es gerne tiefer oder schneller hätte.

Wenn die Frau nach dieser Anfangsphase Lustsignale zeigt (also plötzlich schneller atmet, stöhnt, seufzt, oder „Ja“ sagt), beweg dich exakt so weiter, wie du gerade tust. Dabei ist es übrigens egal, ob du sie gerade schnell oder langsam fickst – Hauptsache, der Rhythmus bleibt gleich! Wähle daher am besten eine ausreichend bequeme Stellung sowie Tiefe und Tempo so, dass du länger als ein paar Sekunden ohne Änderung weitermachen kannst.

Ändere Tiefe und Tempo nur dann, wenn:

  • sie dir direkt sagt, dass sie es jetzt gerne schneller oder langsamer, tiefer oder weniger tief hätte
  • du die Bewegung selbst zu wenig lustvoll findest
  • oder du unbequem liegst/sitzt/stehst und eine bequemere Position finden willst.

Wenn deine Freundin/Frau nicht (mehr) mitmacht (du also nicht erkennen kannst, ob sie gerade döst, im Kopf die nächste Einkaufsliste schreibt, auf den in der Nähe laufenden Fernseher starrt, oder mit dir Sex hat), bitte sie darum, dir während dem Sex zu zeigen oder zu sagen, was sich gut anfühlt. Wenn sie nicht stöhnen möchte, ist das kein Problem – sie kann auch einfach „Ja“ an den Stellen sagen, wo es für sie gerade lustvoll ist.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die männliche Lust eher in einer stetigen exponentiellen Kurve, die weibliche Lust aber eher in größer werdenden Wellen kommt. Wenn sich etwas für die Frau ein paar Sekunden lang eher lauwarm anfühlt, macht das nichts – die nächste Lustwelle ist höchstwahrscheinlich schon auf ihrem Weg. Wenn sie hingegen signalisiert, dass sich etwas länger als eine halbe Minute lauwarm anfühlt und auch nicht besser wird – oder generell eine Reaktion zeigt, mit der du dich nicht auskennst – pausiere deine Bewegungen, und frage sie, was sie sich gerade von dir wünscht. Wenn sie dir das nicht sagen kann, weil sie sich selbst nicht sicher ist, ermutige sie, ein bisschen herumzuprobieren. Wenn sie selbstbewusst ist, wird sie von alleine mit dem Herumprobieren beginnen.

Lass ihr dafür Zeit und Platz: Sie wird nicht sofort die perfekte Position finden (können), und etwa mehrmals Arme, Beine oder Becken neu positionieren, bevor ihr weitermachen könnt. Eventuell fordert sie dich auf, mit den Bewegungen weiterzumachen, und signalisiert kurz darauf, dass sie sich eine weitere Unterbrechung wünscht, weil sich die Stellung doch nicht so gut anfühlt, wie sie dachte. Die folgenden Lösungen sind häufig:

  • die Position geringfügig zu verlagern
  • zusätzliche Befeuchtung zu verwenden oder nachzulegen
  • das Tempo zu ändern
  • die Tiefe zu ändern
  • oder sogar eine andere Stellung auszuprobieren.

Alle diese Verhaltensweisen sind gesund und ein wesentlicher Bestandteil von gutem Sex – sie ermöglichen, die besten Bedingungen zu finden, unter denen alle Beteiligten gleichermaßen Lust empfinden können.

Frage sie nicht sofort nach der Änderung, ob sie es besser findet – so schnell kann sie das gar nicht wissen, da sich ihr Körper erst auf die neuen Bedingungen einstellen muss. Mach einfach weiter: Wenn die Änderung eine gute Idee war, wirst du es an ihren erneuten Lustsignalen erkennen. Falls du dir unsicher bist, kannst du natürlich nachfragen – aber bitte mit etwas Zeitverzögerung.

Pass auf, falls du feststellst, dass du Ergebnisse ihres Herumprobierens plötzlich nicht so attraktiv findest und ihr das mitteilen möchtest. Sie wurde in der Rolle „Frau“ erzogen, was bedeutet, dass sie ihr Leben lang vom Großteil ihres Umfelds für ihre Sexualität und Eigeninitiave abgewertet wurde. Dass sie sich nun darauf eingelassen hat, ihren Körper zu spüren, und vor dir damit experimentiert, hat daher bereits eine Menge Mut erfordert. Wenn du ihr Herumprobieren jetzt abschätzig, ungeduldig und/oder genervt über dich ergehen lässt, oder sogar abwertend kommentierst („Du schaust aber seltsam aus!“, „‚Wäh, was machst du da?!“, „Bist du eine Schlampe, oder was?“, usw.), kann das bewirken, dass sie entweder:

  • kein weiteres Mal mit dir Sex haben wird,
  • dich aufgrund deines unfairen Verhaltens verärgert konfrontiert,
  • oder unbewusst in ihre anerzogene Rolle zurückfällt, und es Wochen oder Monate mit langweiligem oder gar keinem Sex dauert, bis sie dir wieder genügend vertraut, um eure Quest für guten Sex wiederaufzunehmen.

Als beste Strategie schau ihr daher beim Herumprobieren einfach kommentarlos zu und/oder unterstütze sie dabei (Polster zurechtrücken, Gleitgel reichen, usw.). Wenn du merkst, dass du ungeduldig wirst, entspanne dich mit dem Gedanken, dass euer Sex nicht immer so bleiben wird, sondern dass sie gerade Techniken herausfindet, die sie in ein paar Monaten viel schneller anwenden wird (können), weil sie durch das Herumprobieren ein gutes Gespür für ihren eigenen Körper, ihre sexuellen Wünsche, und dich als Sexualpartner entwickeln konnte. Was du sehr wohl mitteilen kannst und auch sollst, sind hingegen Komplimente, oder wenn es für dich körperlich unangenehm wird.

Auf den ersten Blick ist eine sexuell unerfahrene Frau, die Sex mit dir sehr wohl genießen möchte, aber einfach nicht besser weiß, wie sie das in die Tat umsetzen kann, nur schwer zu unterscheiden von einer absichtlich ignoranten Frau, die gar kein Interesse daran hat, mit dir Lust zu empfinden, sondern den Sex stattdessen als Währung einsetzt, um von dir romantische Aufmerksamkeit, Geschenke oder finanzielle Unterstützung zu erpressen („sich aushalten lassen“). Die Anwendung aller dieser Maßnahmen ermöglicht dir, zweifelsfrei zu erkennen, welchen der beiden Typen du vor dir hast.

Du hast es wahrscheinlich mit einer absichtlich ignoranten Frau zu tun, wenn sie:

  • sie auf deine Bitten, dir mitzuteilen, was sie denn gut oder nicht gut findet, nicht reagiert – sowohl während dem Sex, als auch in Gesprächen danach,
  • zwar behauptet, dass sie beim Sex interaktiver sein möchte, aber dann wieder erstarrt und nichts tut, und dich nie wieder darauf anspricht
  • dich aggressiv anfährt, wenn du eine Pause machst, und sie freundlich fragst, was sie sich wünscht
  • dir vorhält, dass deine Gesprächsversuche „unreif“ oder „nervig“ wären, und dass „ein echter Mann“ ihre Bedürfnisse von alleine und ohne zu fragen wissen müsse – oder ein vergangener Sexualpartner es einfach so gewusst hätte.

Sollte sie eine dieser Reaktionen ausfahren, brich den Sex am besten ab und fordere faires Verhalten ein. Wenn sie sich nicht auskennt, und nachfragt, hat sie wahrscheinlich aus Angst destruktiv reagiert, da sie voreilig annimmt, dass du sie wie so viele andere Männer vor dir abwerten wirst, sobald sie ehrlich ihre Lust herzeigt. Sei dann sehr freundlich zu ihr, und versichere ihr, dass du sie weiterhin fair behandeln wirst. Falls sie jedoch keine Lernbereitschaft zeigt und versucht, einen Streit vom Zaun zu brechen, zieh dich an und gehe (Ja, auch wenn die Sexpartnerin deine Freundin/Frau ist. Besser ein Streit, nach dem ihr dann besseren Sex habt, als ein Leben lang schlechten Sex.)

 

Wie geht guter Sex? – Teil 4/4: Wie kann ich als Frau den Sex mit einem Mann genießen?

An wen richtet sich der Artikel?

Welche Orientierungen, sozialen Rollen, oder Geschlechter der Artikel anspricht
Sexuelle Orientierung(en): heterosexuell, heterosexuell lebend wenn bisexuell
Romantische Orientierung(en): heteroamor, heteroamor lebend wenn biamor
Geschlecht(er): Frau
Wer ist mit Frau und Mann gemeint?
  • Frau steht für Mensch mit Vulva, überwiegend in der Rolle „Frau“
  • Mann steht für Mensch mit Penis, überwiegend in der Rolle „Mann“
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alle Geschlechter

Viele Hetero- oder Bi-Männer in einer Hetero-Beziehung klagen das folgende Leid:

„Ich glaube, dass meiner Freundin/Frau Sex nicht so gefällt wie mir. Sie wirkt meistens ziemlich teilnahmslos und auch mir macht es immer weniger Spaß. Außerdem muss fast immer ich sie nach Sex fragen – sie vermisst es anscheinend nicht.“

Eine Frau, die beim Sex nur wenige oder keine Lustsignale zeigt, wirkt auf den Mann so, als ob sie ihn grundsätzlich sexuell nicht interessant findet.

Dass die Frau so wenig mitmacht, liegt allerdings fast immer daran, dass sie mit Sex unerfahren ist. Entweder hat sie noch nicht oft Sex gehabt, oder ihre vergangenen Sex-Erlebnisse und/oder Ex-Beziehungen waren mit Männern, die ebenfalls unerfahren waren und mit denen sie nicht viel erlebt hat, was sie geil fand.

Allerdings helfen viele Frauen, ohne es zu merken, fleißig dabei mit, dass der Sex auch in Zukunft lauwarm oder unbefriedigend bleibt: Die meisten Frauen finden ihren Freund/Mann nämlich sehr wohl sexuell interessant. Der Grund ihrer Teilnahmslosigkeit ist vielmehr eine falsche Erwartung: Die Verhaltensregeln der Rolle „Frau“, die Frauen anerzogen bekommen, verlangen von einer Frau, keine eigenen sexuellen Wünsche zu haben. Daher lernen die meisten Frauen bereits früh, solche Gefühle unbewusst zu unterdrücken, und „brav zu sein“, um nicht dauernd negative Reaktionen (auch Slutshaming genannt) ihrer Umgebung zu bekommen. Dadurch spüren sie die eigene sexuelle Erregung nicht mehr und experimentieren dann weniger mit ihrem Körper und ihren sexuellen Fantasien als die meisten Männer. So lernen viele Frauen erst im Erwachsenenalter Dinge über ihre eigene Sexualität, die den meisten Männern seit Anfang der eigenen Pubertät klar sind, wie etwa, welche Berührung wo im eigenen Genitalbereich angenehm ist und welche nicht.

Das führt dazu, dass eine Frau beim Hetero-Sex ihre sexuellen Wünsche eher nicht mitteilt – entweder weil sie diese selbst nicht weiß, oder weil sie in voreiliger Annahme oder aus leidvoller Erfahrung Slutshaming seitens des Mannes befürchtet.

Jedoch erwartet die Frau dann von ihrem Freund/Mann, dass dieser ihrer Sexualität auf die Sprünge hilft, weil er ja (mehr) Pornos schaut, und scheinbar mehr sexuelle Erfahrung hat. Diese Annahme ist schon richtig – in der Rolle „Mann“ erzogen zu werden, hat seine Sexualität großteils intakt gelassen – allerdings hat er nur mit seinem eigenen Körper mehr sexuelle Erfahrung gesammelt; bei einem weiblichen Körper ist er höchstwahrscheinlich noch ahnungsloser als die Frau selbst.

Im häufigsten Fall reagiert die Frau darauf destruktiv: Sie ist enttäuscht, dass der Mann ihre Erwartung nicht erfüllen kann. Daher lässt sie den Sex halt über sich ergehen, oder täuscht Lustsignale vor, um es schneller hinter sich zu haben. Insgeheim ist sie jedoch wütend auf den Mann und lässt diese Wut an anderen Stellen im Beziehungsleben raus. Der Mann muss dann ohne Information seitens der Frau, oder nur mit Halbwissen aus Pornos auskommen, was natürlich weiterhin schlechten Sex garantiert.

Als Frau kannst du aus dieser Spirale folgendermaßen aussteigen:

Erwarte nicht von deinem männlichen Gegenüber, dass er sich mit einem fremden, weiblichen Körper besser auskennt, als du, die du in so einem Körper steckst. Du spürst immer am besten, was sich angenehm und nicht angenehm anfühlt, daher ist es auch deine Aufgabe, diese Wahrnehmungen und Wünsche mitzuteilen. Sag also etwas, wenn du eine seiner Bewegungen zu fest, zu sanft, zu schnell, zu langsam, zu tief oder zu wenig tief findest. Dabei ist wichtig, dass du das mit Worten tust! Verschiedene Stöhn-Lautstärken oder Atemgeräusche wird dein Sexpartner/Freund/Mann entweder nicht bemerken, und wenn, dann nicht wissen, was sie bedeuten, wenn du ihm nicht vorher die Übersetzung erklärt hast.

Falls du noch nicht weißt, was dich geil macht – kein Problem: Ihr könnt dadurch, was sich nicht gut anfühlt, langsam entdecken, was übrig bleibt und sich gut anfühlt. Egal ob aus Unerfahrenheit oder weil du etwas Neues ausprobierst – nimm dir Zeit, um deine optimalen Bedingungen zu finden:

  • Positioniere deine Arme, Hände, und Beine solange neu, bis alles bequem liegt.
  • Lege dich mit Kopf, Rücken, Bauch oder Becken auf Pölster oder zusammengerollte Decken.
  • Setze oder kniee dich so hin, dass deine Füße ausbalanciert sind.
  • Stütze deine Füße auf einen Tisch, einen Hocker oder an die Wand.
  • Bitte den Mann deine Beine zu halten, oder lege sie ihm auf die Schultern.

Probiere die Möglichkeiten je nach Stellung jedes Mal durch, wenn sich etwas unbequem anfühlt. Bitte den Mann dafür ruhig um eine Pause bei seinen Bewegungen, oder dass er dir mehr Bewegungsfreiheit lässt. Erkläre ihm aber kurz, was du vorhast („Warte, ich muss mich einrichten“ / „Ich brauche …“), damit er sich auskennt, und dir gegebenenfalls helfen kann (Dinge geben, Polster zurechtrücken, usw.). Ein Trick, um Missverständnisse über deine Wünsche zu verringern, ist der Folgende: Wenn du möchtest, dass er etwas Bestimmtes nicht macht, und du bereits weißt, was du dir stattdessen wünscht, teile ihm direkt mit, was er machen soll.

Beispiele:

Gut: Besser:
„Nicht so schnell!“ „Mach langsamer!“
„Das tut weh!“ „Das tut weh. Mach bitte kurz Pause!“
„Nicht da!“ „Streichel mich an … „

Mach dir selbst keinen Stress: Es ist völlig gesund, wenn dein Körper ein paar Sekunden braucht, um sich nach einer Änderung auf neue Bedingungen einzustellen, und dann darauf Lust zu empfinden. Warte daher nach jeder Änderung ein bisschen, um festzustellen, ob es jetzt bereits passt. Wenn nicht, kannst du die nächste Änderung ausprobieren. Erlaubt ist alles, was sich für euch beide gleichzeitig bequem anfühlt. Je öfter ihr Sex habt, und dabei herumprobiert, desto eher wirst du herausfinden, welche Stellungen dir wie gefallen, und desto schneller wirst du dich bei den nächsten Malen darauf einstellen können.

Da das sexuelle Hauptorgan jeder Frau nicht etwa die Scheide, sondern ihre Klitoris ist, probiere aus, wie du deine Klitoris gut stimulieren kannst, während der Mann eine andere Stimulation macht (dich in die Muschi fickt, dich leckt, dich fingert oder dir anal etwas einführt). Manche Frauen können das am besten mit einer Hand, anderen macht ein Vibrator mehr Spaß. Probiere auf jeden Fall verschiedene Vibratoren aus, mit unterschiedlichen Stärken oder Vibrationsabläufen aus (durchgehend leicht, durchgehend stark, stärker werdend, abwechselnd, rhythmisch mit Pausen, usw.), um herauszufinden, womit du am einfachsten kommen kannst. Ziele nicht darauf, den bestmöglichen Orgasmus zu haben, das setzt dich nur unter Druck und vermindert dadurch die Intensität deiner Lust und deines Orgasmus. Folge stattdessen dem Grundprinzip aller Bastler: Finde zuerst etwas, das funktioniert, und danach kannst du immer noch herausfinden, wie es besser funktioniert.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die männliche Lust eher in einer stetigen exponentiellen Kurve, die weibliche Lust aber eher in größer werdenden Wellen kommt. Wenn sich etwas ein paar Sekunden lang eher lauwarm anfühlt, macht das nichts – die nächste Lustwelle ist höchstwahrscheinlich schon auf ihrem Weg. Wenn sich hingegen etwas länger als eine halbe Minute lauwarm anfühlt und auch nicht besser wird, bitte ihn um eine Pause. Je nach deinem Gefühl kannst du dann folgende Lösungen ausprobieren:

  • deine Position geringfügig zu verlagern
  • Gleitgel zu verwenden oder nachzulegen
  • ihm vorschlagen, das Tempo zu ändern
  • ihm vorschlagen, die Tiefe zu ändern
  • oder in eine andere Stellung zu wechseln.

Ein netter Mann wird auf deine Wünsche und dein Ausprobieren Rücksicht nehmen und dir Zeit lassen, und/oder dir mit vorsichtigen Vorschlägen helfen. Wenn ein sexuelles Erlebnis/eine neue Variante nicht so funktioniert hat, wie du dir das vorgestellt hast, probiert es ruhig noch einmal – eventuell unter Bedingungen, bei denen du denkst, dass es dieses Mal besser klappt (mehr Zeit, anderer Ort, mit Sexspielzeug oder Gleitgel, das ihr vorher nicht zur Hand hattet). Männer geraten aufgrund ihrer anerzogenen Rolle „Mann“ schnell in die Überzeugung, dass sie gegenüber einer Frau immer perfekt „ihren Mann stehen“ müssen, auch wenn er mit dir einer Frau begegnet ist, auf die das nicht zutrifft. Indem du ihn unmissverständlich um eine Wiederholung fragst, weiß er, dass du ihn immer noch attraktiv findest, und ihr habt die Chance auf ein weiteres Mal, das ihr beide ohne Stress genießen könnt.

Auf den ersten Blick ist ein sexuell unerfahrener Mann, der dir Lust machen möchte, aber es einfach nicht besser weiß, nur schwer zu unterscheiden von einem absichtlich ignoranten Mann, dem deine sexuellen Wünsche egal sind und der nur auf seine eigene Befriedigung aus ist. Die Anwendung aller dieser Maßnahmen ermöglicht dir, zweifelsfrei zu erkennen, welchen der beiden Typen du vor dir hast.

Aus diesem Grund ist es ein sehr dummes Verhalten, Lustsignale oder gar deinen Orgasmus vorzutäuschen. Bei einem ungeschickten Mann ist es eine unwirksame Strategie: Er wird sich dann die Techniken merken, die dir in Wirklichkeit keinen Spaß gemacht haben und genau jene beim nächsten Mal Sex wieder verwenden. Und bei einem absichtlich ignoranten Mann ist es wie einen Hund zu loben, der gerade auf den Teppich gekackt hat: Er denkt dann, dass sein gepflegtes Desinteresse eh ausreicht und ist beim nächsten Mal noch rücksichtsloser.

Du hast es dann mit einem absichtlich ignoranten Mann zu tun, wenn er:

  • auf deine Mitteilungen nicht reagiert
  • zwar zustimmt, aber dann unverändert weitermacht
  • wenn er versucht, dich zu bereits besprochenen, unerwünschten Berührungen oder Spielarten zu überreden: „Jetzt stell dich nicht so an…“
  • wenn er unerwünschte Berührungen oder Spielarten einfach macht, obwohl du zuvor schon bei mehreren Gelegenheiten gesagt hast, dass dir das nicht gefällt

Sollte er eine dieser Reaktionen ausfahren, brich den Sex am besten ab und fordere faires Verhalten ein. Wenn er sich nicht auskennt, und nachfragt, erkläre ihm ruhig, sachlich, und ohne Beleidigungen, was du dir von ihm wünscht. Falls er jedoch keine Lernbereitschaft zeigt und blöd redet, zieh dich an und gehe (Ja, auch wenn der Sexpartner dein Freund/Mann ist. Besser ein Streit, nach dem ihr dann besseren Sex habt, als ein Leben lang schlechten Sex.)

Kleiner medizinischer Exkurs

Wenn du Schmerzen beim Sex hast (wie Jucken, Brennen oder Stechen), ist das ein deutliches Zeichen deines Körpers, dass du eine Infektion im Genitalbereich hast. Lass dir das unbedingt von einem Frauenarzt/einer Frauenärztin anschauen. Hinweis: Falls dein_e Gynäkolog_in nach nur einer Untersuchung behauptet, dein Problem sei „psychisch“, wechsle den Arzt! „Psychisch“ ist Fachärztesprech für „Ich weiß nicht, wo das Problem liegt, aber das kann ich nicht zugeben.“ Schmerzen beim Sex können zwar sehr wohl psychische Ursachen haben, wie unbewusste Ängste oder vergangene traumatische Erfahrungen, diese sind aber erst zweifelsfrei feststellbar, wenn alle körperlichen Ursachen entweder ausschließbar sind oder erfolgreich behandelt wurden. Eine professionelle Gynäkolog_in erkennst du daran, dass sier mehrere Erkrankungen vermutet, diese in verschiedenen Untersuchungen in zeitlichen Abständen von Tagen oder Wochen überprüft und dich noch zu anderen medizinischen Instituten (Labor, alternative Medizin) verweist.

Eine nur wenig beachtete Erkrankung ist übrigens Vulvodynie, also Schmerzen in der Scheide und/oder außen an der genitalen Schleimhaut, ohne dass eine aktuelle Infektion feststellbar ist. Allerdings kann Vulvodynie als Folge von wiederholten vergangenen Infektionen mit Bakterien oder Pilzen auftreten, oder eine Begleiterscheinung einer aktuellen Infektion mit HPV sein.

 

Yin und Yang: Grundlagen – Teil 1/5: Was ist das?

Yin und Yang ist ein Konzept aus dem Taoismus, einer alten spirituellen Strömung, die heute hauptsächlich in China und Japan verbreitet ist. Die traditionelle chinesische Medizin hat dessen Philosophie später teilweise übernommen. Die Grundidee ist, dass in jedem Menschen mehrere Energieströme fließen. Stehen diese im Gleichgewicht zueinander, ist der Mensch körperlich und/oder psychisch gesund. Geraten sie hingegen in ein Ungleichgewicht, wird derjenige Mensch körperlich und/oder psychisch immunschwach oder krank. Dabei gibt es kein allgemeines Gleichgewicht, wie etwa „Gesunde Blutwerte liegen zwischen Zahl 1 und Zahl 2.“ in der eurozentrischen/westlichen Medizin. Vielmehr hat jeder Mensch ein individuelles Gleichgewicht, wie ein Fingerabdruck, weswegen der gleiche und gleich starke Energiestrom den einen Menschen gesund, einen weiteren jedoch krank machen kann. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich dieses individuelle Gleichgewicht mit den Lebensumständen des Menschen mitändert. Daher kommt auch die Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen jung hält – denn ein solcher Mensch kann den eigenen Lebensstil immer wieder an die vorhandenen Energieströme anpassen und so körperlich und psychisch gesund bleiben.

Yin und Yang sind zwei dieser Energieströme, die sich gegenseitig so stark beeinflussen, dass sie oft als Begriffspaar genannt werden. Jeder Mensch hat sowohl Yin, als auch Yang in sich, wobei genau das Zusammenspiel der beiden Energieströme alle Bedürfnisse, Wünsche und Verhaltensweisen bezüglich Sex steuert. Als Folge daraus sind Yin und Yang auch bei Themen ausschlaggebend, die Sex beinhalten, also der romantischen Liebe und der Geschlechtsidentität.

Yin und Yang: Grundlagen – Teil 2/5: Was hat das mit Sex zu tun?

Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir einen Abstecher in die Geschichte der Evolution:

Die ursprünglichen Lebensformen wie Bakterien, Einzeller und frühe Pflanzen hatten noch keinen Sex. Sie hätten auch keinen haben können, denn das Konzept gab es noch gar nicht. Fortpflanzung funktioniert bei diesen Lebewesen auf eine andere Weise: asexuell, also durch Teilung. Das bedeutet, dass ein Lebewesen zuerst alle Teile von sich kopiert, diese dann zusammenbaut und schließlich als ein weiteres Lebewesen in die Umwelt entlässt. Das Ergebnis sind zwei exakt gleiche Lebewesen, die sich, wenn überhaupt, in nur wenigen Merkmalen unterscheiden – wie eineiige Zwillinge. Der Vorteil dieser Methode ist der relativ geringe Energieaufwand. Der Nachteil ist allerdings groß: Denn fast identische Lebewesen haben alle auch sehr ähnliche bis identische Schwachstellen. Ein Fressfeind, Parasit oder ein Virus kann also eine ganze Spezies über die gleiche Schwachstelle befallen, töten und im äußersten Fall ausrotten.

Um dies zu verhindern, entwickelte sich im Laufe der Evolution die sexuelle Fortpflanzung, also Sex. Spätere Pflanzen, Pilze und Tiere begannen, ihre für die Fortpflanzung benötigten Merkmale innerhalb kompatibler Lebewesen auf zwei Formen aufzuteilen: weiblich und männlich. Die eine Hälfte der Information für ein neues Lebewesen ist in der weiblichen Form gespeichert, die andere Hälfte in der männlichen. Der Vorteil dieser Methode ist ein ganz entscheidender: Wenn beide Hälften der Information getrennt sind und erst später aufeinandertreffen, können sie durchgewürfelt werden, durch einen Prozess namens homologe Rekombination der Chromosomen. Im Wesentlichen ist das so, wie zwei verschiedenfarbige Haufen Sand in einen Kübel zu leeren, und solange umzurühren, bis der Inhalt in etwa gleich durchgemischt aussieht. Heraus kommt jedes Mal ein einzigartiges Lebewesen, mit individuellen Stärken und Schwachstellen. Dadurch müssen Fressfeinde, Parasiten und Viren immer wieder neue Strategien finden, was den angepeilten Lebewesen wiederum Zeit gibt, neue Abwehrmechanismen zu entwickeln, usw. In der gleichen Weise wie bei Fressfeinden haben die jeweiligen Lebensformen außerdem Möglichkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen (wie einem Klimawandel oder einer Naturkatastrophe) anzupassen, und können so besser überleben. Der Nachteil der neuen Fortpflanzungsmethode ist allerdings der höhere Energieaufwand: Da sich die beiden Informationshälften jetzt an getrennten Orten befinden, muss eine die andere finden, und auf dem Weg eventuelle Hindernisse überwinden. Die andere Hälfte wiederum muss das Gegenstück zur richtigen Zeit bereitstellen, die fehlende Hälfte empfangen und dann das gesamte Paket heranreifen lassen, bis daraus ein überlebensfähiges neues Lebewesen entstanden ist.

Diese Aufgabenteilung ist bereits eine Formulierung von Yin und Yang:

  • Yin entspricht der weiblichen Hälfte, ist also das (die Informationshälfte) aufnehmende und (in ein Lebewesen) wandelnde Prinzip
  • Yang entspricht der männlichen Hälfte, ist also das (die Informationshälfte) gebende und (Leben) anstoßende Prinzip

Yin und Yang: Grundlagen – Teil 3/5: Was sind Fraktale?

Dieser Artikel mag auf den ersten Blick nicht zur Artikelreihe passen. Inwiefern das Thema für Yin und Yang relevant ist, werde ich erklären.

Das Konzept über Fraktale, die Fraktaltheorie, wurde von Benoît Mandelbrot entwickelt und 1975 publiziert. Mittlerweile wird es als die größte Weiterentwicklung der Mathematik seit dem 18. Jahrhundert angesehen. In seiner Grundidee besagt es, dass alle von selbst wachsenden Strukturen (direkt: wie Lebewesen, indirekt: wie Sterne) sich selbst ähnliche Strukturen bilden. Eine solche Struktur wird dann ein Fraktal, oder mehrere Fraktale, genannt.

Beispiele:

Ein Baum besteht erst einmal aus Wurzeln. Dann wächst ein Stamm, von dem Äste wegstehen, die wiederum Zweige entwickeln. Das Netzwerk aus Wurzeln sieht dem Netzwerk aus Ästen ähnlich, und wie die Äste vom Stamm wegwachsen, sieht ähnlich aus wie die Zweige, die von den Ästen wegwachsen, usw. Die Wurzeln sind ein Fraktal von den Ästen, und die Äste sind fraktal zu den Zweigen. Die Reihenfolge ist allerdings nicht wichtig, sondern nur die Ähnlichkeit: So sind auch die Wurzeln fraktal zu den Zweigen, usw.

Die korrekte Formulierung ist dabei entweder „ist ein Fraktal von“ oder „ist fraktal zu“, mit der gleichen Bedeutung.

Eine häufige Anwendung erfahren die Gleichungen der Fraktaltheorie in Computerspielen mit hohem Anspruch an lebensechte Grafik, um genau über solche Ähnlichkeiten Lebewesen realitätsnah zu animieren.

Aber nicht nur physische, sondern auch psychische Strukturen (wie Ideen und Konzepte) wachsen selbst – und bestehen daher aus Fraktalen, welcher wieder neue Fraktale ausbilden können. Diese beiden Fraktalmöglichkeiten beeinflussen sich sogar gegenseitig – und so kommen Konzepte wie Yin und Yang in der Evolution physisch und psychisch an immer wieder neuen Orten vor.

Wie bereits gesagt, ist die Reihenfolge zur Bestimmung von Fraktalen irrelevant. Allerdings kann es hilfreich sein, die jeweils älteste Form eines Fraktals zu kennen, da sich so andere Fraktale, die sich aus diesem entwickelt haben, leichter identifizieren lassen. Bei Yin und Yang ist das älteste (bekannte) Fraktal die Aufgabenteilung bei der sexuellen Fortpflanzung. Um weitere Fraktale zu finden, macht es daher Sinn, die Evolution der Sexualität zu durchforsten.

Yin und Yang: Grundlagen – Teil 4/5: Sex ist mehr als nur Fortpflanzung

Evolution funktioniert nach dem Faulheitsprinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Klar, denn ein Lebewesen, das unnötigerweise Energie verbraucht, wird die nächste Verknappung an Ressourcen schwerer überleben. Daher muss jeder hohe Energieaufwand durch einen entsprechenden Nutzen gerechtfertigt sein, denn sonst bleibt der Spezies nur, das „teure“ Merkmal rechtzeitig wieder zurückzubilden – oder auszusterben. Eine interessante Folge daraus ist, dass Vorgänge mit einem hohen Energieverbrauch, die bereits einen Nutzen haben, sich oftmals so weiterentwickeln, dass sie noch mehr Vorteile bringen.

Genau das ist mit der sexuellen Fortpflanzung passiert, die verglichen mit der asexuellen Fortpflanzung einen höheren Energieaufwand benötigt. In allen genügend komplexen Lebewesen haben sich Belohnungsmechanismen entwickelt, die sich einschalten, sobald dasjenige Lebewesen eine Handlung setzt, die förderlich für das eigene Überleben ist. Handlungen, die zwar das Überleben fördern, aber gleichzeitig einen hohen Energieaufwand und damit ein gewisses Risiko beinhalten, haben besonders starke Belohnungsmechanismen. Die Belohnung für Sex ist die sexuelle Lust und die anschließende Befriedigung. Beim Menschen und einigen anderen besonders intelligenten Tierarten hat genau dieser Belohnungsmechanismus beim Sex einen weiteren Nutzen bekommen: Zusätzlich zum Sex für Fortpflanzung haben diese Lebensformen eine weitere Form von Sex entwickelt, deren Ziel nicht mehr die Schaffung von Nachkommen ist – nämlich Sex zum Spaß. Bisher ist bekannt, dass große Aras (eine Papageienart), Delfine, Elefanten, einige Menschenaffen wie Schimpansen und Bonobos, sowie Menschen selbst das Konzept von Sex zum Spaß kennen.

Alle diese Lebensformen haben gemeinsam, dass sie eine gewisse Mindestintelligenz haben und in sozialen Gruppen zusammenleben. Sex ist eine lustvolle Handlung, die ein Mitglied der Gruppe mit den anderen Mitgliedern teilen kann. Wenn Individuen der Gruppe nun miteinander lustvollen Sex haben, stärkt das den sozialen Zusammenhalt: Schließlich werde ich einem Gegenüber, das mir Lust bereitet, und mir positive Erfahrungen verschafft, eher helfen, wenn es in einer Notlage ist, als einem anderen Gegenüber, das mir mögliche lustvolle Erlebnisse vermiest, oder mir sogar mein Fressen und andere Ressourcen wegnimmt. Sex zum Spaß erhöht so die Bereitschaft der Gruppenmitglieder, sich gegenseitig zu helfen, also Solidarität zu zeigen, und macht damit die gesamte Spezies überlebensfähiger.

Wenn du der obigen Beschreibung von Solidarität innerlich zugestimmt hast – Gratulation: Du hast die Fairness einer solchen Situation instinktiv verstanden. Das bedeutet, dass du ein unbewusstes evolutionäres Erbe (nämlich das Verständnis von und das Bedürfnis nach Solidarität) im Bewusstsein hast. Während alle Menschen dieses Erbe in ihren Gehirnwindungen mit sich herumtragen, schlummert es bei der Mehrheit unbewusst und ungenutzt vor sich hin, weswegen sich die meisten erwachsenen Menschen immer wieder in Lebenssituationen wiederfinden, in denen sie entweder ausgebeutet werden oder selbst ausbeuten – also eben keine Solidarität erfahren oder zeigen.

Da Sex nicht mehr ausschließlich auf Fortpflanzung abzielte, sondern auf den sozialen Zusammenhalt der Gruppe, entwickelten sich zahlreiche sexuelle Spielarten, die aus Sicht der Fortpflanzung keinen Sinn ergeben, und aus deren Blickwinkel als überflüssig erscheinen. Das berühmteste Beispiel ist Homo- und Bisexualität. Für die Fortpflanzung ist sie irrelevant, die biologisch ja nur über Hetero-Sex möglich ist. Aus Sicht des sozialen Zusammenhalts ist sie eine großartige Entwicklung: Denn Menschen, die bisexuell sind, können grundsätzlich mit den meisten der anderen Gruppenmitglieder lustvollen Sex haben und so die meisten positiven sozialen Vernetzungen aufbauen. Menschen, die rein homosexuell sind, können Druck aus der Gruppe nehmen, indem sie lustvollen Sex haben können, der garantiert keine Nachkommen produziert. So bekommt die Gruppe in Notzeiten nicht noch mehr Mitglieder, während der soziale Zusammenhalt, der ja gerade dann wichtig ist, weiterhin gestärkt wird.

Die Prinzipien Yin und Yang entwickelten sich mit der neuen Situation mit: Geht es um Fortpflanzung, ist Yang als das gebende und anstoßende Prinzip die Seite, die Spermien produziert, und Hindernisse überwindet, um diese zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen. Yin ist als das aufnehmende und wandelnde Prinzip die Seite, die die Spermien aufnimmt, schwanger wird, und neues Leben gebärt. Wenn die Fortpflanzung aber nicht mehr Ziel des Sex ist, oder im Fall von Homosexualität gar nicht passieren kann, macht es keinen Sinn mehr, Yin und Yang so zu beschreiben.

Allerdings änderte das nichts am Ablauf von Sex: Die Körper, die Geschlechtsorgane, und die biologischen Prozesse hinter der sexuellen Lust sind schließlich immer noch dieselben, auch wenn am Ende keine Schwangerschaft herauskommt. Yin und Yang entwickelten sich daher in Richtung der einen Eigenschaft, die sich geändert hatte, also worum es bei Sex zum Spaß vorrangig geht – der Entstehung von lustvollen Gefühlen für alle Beteiligten: Eine Seite gibt und stößt an, die andere Seite nimmt diese Stöße auf und wandelt sie in sexuelle Lust um, die sich auch für die gebende Seite lustvoll anfühlt. Das macht die aktive Seite, die gibt, zum Yang. Und die passive Seite, die aufnimmt, zum Yin.

Da aber alle sexuellen Orientierungen vertreten sind, und somit auch zwei gleiche Geschlechtsorgane aufeinandertreffen können, entscheidet sich diese Verteilung nicht mehr daran, wer welches Geschlechtsmerkmal hat, sondern wer eine Handlung als aktiver Mensch durchführt, und wer diese als der passive Mensch in sich aufnimmt.

Beispiele:

  • Hetero-Sex:
    Mann stößt Frau mit seinem Penis: Mann = Yang, Frau = Yin
    Frau reitet Mann, Mann liegt still: Frau = Yang, Mann = Yin
  • Homo-Sex:
    Frau fingert weitere Frau: Aktive Frau = Yang, Frau, die gefingert wird = Yin
    Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann: Mann, der fickt = Yang, Mann, der sich ficken lässt = Yin

Nun gibt es aber noch einen Unterschied zwischen den erwähnten besonders intelligenten Tierarten und der Tierart Mensch: Während Tiere mit einem Gegenüber mittels Körpersprache und einigen Lauten kommunizieren, hat beim Menschen die verbale Sprache einen wesentlich größeren Teil der Kommunikation übernommen. Obwohl auch beim Menschen die nonverbale Kommunikation nach wie vor die meisten Informationen transportiert, hat die verbale Kommunikation einen so großen Stellenwert, dass sie Yin und Yang beim Sex beeinflusst hat. Über verbale Sprache können Menschen beim Sex nämlich „spielen“, also wie bei einem Spiel Regeln im Konsens ausverhandeln, nach denen der Sex dann abläuft. So können die obigen Handlungen in einen ganz anderen Kontext gesetzt werden.

Zur Wiederholung:

  • Yin ist das aufnehmende und wandelnde Prinzip
  • Yang ist das gebende und anstoßende Prinzip

Durch verbale Sprache kann aus der gebenden Seite eine werden, die nicht nur die körperlichen Handlungen, sondern auch einen Teil oder sogar die gesamte lustvolle Situation „gibt“, diese also herstellt und dann Regie führt. Die aufnehmende Seite wiederum nimmt nicht nur die körperlichen Handlungen auf, sondern folgt den Regieanweisungen, soweit für sie lustvoll, und wandelt so die Fantasie des „Regisseurs“ in realen, für alle Beteiligten lustvollen Sex um. Die Zusammenfassung aller sexuellen Spielarten, die auf diese Weise funktionieren, hat im eurozentrischen Kulturkreis die Bezeichnung BDSM bekommen. Der Einsatz von Regeln und Kontrolle durch verbale Sprache kann die Position von Yin und Yang im Vergleich zu den körperlichen Handlungen sogar umkehren:

Beispiele:

  • Hetero-Sex:
    Mann stößt Frau mit seinem Penis und „befiehlt“ der Frau, sich nehmen zu lassen: Mann = Yang, Frau = Yin
    Mann stößt Frau mit seinem Penis, während ihm die Frau „befiehlt“, wie genau er sie ficken soll: Frau = Yang, Mann = Yin
    Frau reitet Mann, Mann liegt still, Mann sagt der Frau, wie sie es sich besorgen soll: Mann = Yang, Frau = Yin
    Frau reitet Mann, Mann liegt still, Frau benutzt den Körper des Mannes als lustvolles Werkzeug: Frau = Yang, Mann = Yin
  • Homo-Sex:
    Frau fingert weitere Frau, hält sie fest und „befiehlt“ der anderen Frau, auf ihre Finger abzugehen:
    Aktive Frau = Yang, Frau, die gefingert wird = Yin
    Frau fingert weitere Frau, welche aber der ersten ansagt, wie genau sie gefingert werden möchte:
    Frau, die gefingert wird = Yang, aktive Frau = Yin
    Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, hält ihn fest und „befiehlt“ ihm, sich nehmen zu lassen:
    Mann, der fickt = Yang, Mann, der sich ficken lässt = Yin
    Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, welcher aber dem ersten ansagt, wie er ihn ficken soll:
    Mann, der sich ficken lässt = Yang, Mann, der fickt = Yin

Yin und Yang: Grundlagen – Teil 5/5: Was ist BDSM?

BDSM steht eigentlich für drei ineinander verwobene Begriffspaare:

  • B/D – Bondage/Discipline
  • D/S – Dominance/Submission
  • S/M – Sadism/Masochism

Die englischen Bezeichnungen können eins-zu-eins ins Deutsche übersetzt werden:

  • B/D – Bondage/Disziplin
  • D/S – Dominanz/Submission
  • S/M – Sadismus/Masochismus

Es handelt sich dabei um drei verschiedene Spielarten alternativer Sexualität, von denen sich jede der drei Gruppen noch in hunderte Feinvariationen mit eigener Bezeichnung auffächert.

Die Schreibweise der Begriffspaare ist ein Symbol: Der linke Buchstabe steht für die aktive, gebende und anstoßende Handlung (Yang), der rechte für die passive, aufnehmende und transformierende Handlung (Yin). Der Schrägstrich soll ausdrücken, dass die Begriffe Gegensätze sind, wird aber als „und“ gelesen, da die aktive und die passive Seite ohne einander kein BDSM betreiben können.

Die Struktur eines (gesunden) BDSM-Spiels ist immer dieselbe: Wenn von zwei beteiligten Menschen ausgegangen wird, übernimmt eine_r die Kontrolle über bestimmte, im Vorfeld vereinbarte Handlungen, während das Gegenüber die eigene Kontrolle über dieselben Handlungen abgibt. Der Mensch, der kontrolliert, wird Dom oder Top genannt, der Mensch, der Kontrolle abgibt, Sub oder Bottom.

Bondage bezeichnet Fesselspiele mit einem aktiven (fesselnden) und einem passiven (gefesselten) Menschen. Die bekannteste Spielart ist dabei das Fesseln mit Seilen aus der japanischen Kultur, allerdings können genauso Handschellen, andere Menschen, die den passiven Menschen festhalten, oder Halterungen an der Wand als Mittel für Bondage dienen. Da solche bewegungseinschränkenden Methoden vom passiven Menschen „Disziplin“ verlangen, heißt die Rolle im Spiel dementsprechend.

Sadismus/Masochismus steht für das Zufügen von (Lust-)Schmerz mit einem ausführenden und einem empfangenden Menschen. Das kann mit allen Mitteln passieren, die Schmerz erzeugen: Klassisch sind Reitgerten oder Peitschen, genauso geht es jedoch mit der Hand (was Spanking genannt wird), oder Alltagsgegenständen wie einer Haarbürste aus Holz. Auch schmerzerzeugende Temperaturunterschiede durch Eiswürfel oder heißes Wachs auf der Haut fallen unter diese Kategorie.

Zwischen D/S auf der einen Seite und B/D und S/M auf der anderen Seite gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während das Ziel des Kontrollaustauschs bei Bondage/Disziplin Bewegungseinschränkung ist, sowie bei S/M die Erzeugung von Schmerz, hat D/S keine Vorgabe, welchen Bereich die Kontrolle umspannen soll. Daher sind B/D und S/M eine Unterkategorie von D/S – eben D/S bei bestimmten Handlungen.

D/S selbst kann in jeder beliebigen Handlung stattfinden, weswegen für die Beteiligten eines Spiels besonders wichtig ist, im Vorfeld zu vereinbaren, für welche Handlungen für die Dauer des Spiels D/S gelten soll, und für welche nicht.

So kann D/S strikt auf ein bestimmtes Thema beschränkt sein – zum Beispiel, wenn bei Bondage/Disziplin der_die Fesselnde nur Anweisungen gibt, die notwendig sind, damit die Fesseln funktionieren. Das Gleiche gilt natürlich für Sadismus/Masochismus. Wenn vereinbart wurde, dass D/S auch für andere Handlungen gilt, könnte der_die Fesselnde als Dom danach noch andere Menschen ins Spiel einladen und kontrollieren, von wem sich der gefesselte Menschen wie berühren lassen darf.

Um zu betonen, dass ein solches „erweitertes“ D/S stattfindet, kann die aktive Handlung mit Großbuchstaben und die passive mit Kleinbuchstaben geschrieben werden: D/s, B/d (Bondage mit Dominanz) oder S/m (Schmerz zufügen mit Dominanz). Szenegänger ziehen außerdem dieselbe Differenz zwischen Top/Bottom von Dom/Sub: Das letztere Begriffspaar steht wiederum für ein erweitertes D/S.

Ohne Kontrollaustausch funktioniert Konsens verbal über die Sprache (Ja = Ja, Vielleicht = Nein, aber frag später nochmal, Nein = Nein) oder nonverbal über Körpersprache (sich zu jemanden hin/sich von jemandem weg bewegen). Da es in einem BDSM-Spiel um bewussten Kontrollaustausch geht – der passive Mensch also für Lustgewinn im Spiel bewusst auf die Standard-Möglichkeiten zur Konsensherstellung verzichtet – sind zusätzliche Ausdrucksweisen zur Konsensherstellung zwingend erforderlich:

Bei allen BDSM-Spielarten geschieht das in Form von Sicherheitswörtern (Safe Words) und/oder Sicherheitszeichen (Safe Gestures): Bottom/passiver Mensch und Top/aktiver Mensch müssen im Vorfeld Wörter, Geräusche oder Zeichen vereinbaren, mit denen Bottom bei allen Handlungen zu jeder Zeit ein Stoppsignal geben kann, das von Top prompt befolgt wird. Die Worte „Nein“ oder „Stopp“ können ebenso als Stoppsignal dienen wie extra ausgedachte Codewörter. Mindestens ein Stoppsignal muss dabei die komplette Aufhebung des Kontrollaustauschs bewirken: Dann ist das Spiel pausiert oder beendet und alle Beteiligten stehen wieder auf derselben Stufe – und können, wenn benötigt, die Regeln des Spiels auf Augenhöhe neu verhandeln.

BDSM ohne Sicherheitswörter oder -zeichen oder falls Top auf Stoppsignale nicht reagiert, ist nicht „besonders experimentell“, sondern sexueller Missbrauch! Bei Anzeige wird dieser vom Staat Österreich auch als solcher strafrechtlich verfolgt!

Wie funktioniert das Patriarchat?

Wie bereits in Sex und Liebe: Der große Unterschied! angesprochen, vertrete ich, dass das größte Problem des sozialen Miteinanders der eurozentrischen/westlichen Gesellschaft und ihrer alternativen Szenen folgendes ist: die Verwechslung von Sex und Liebe. Diese Verwechslung kann mithilfe von unterscheidender Sprache in der Praxis aufgehoben werden.

Doch mit einer Sprachänderung alleine ist es nicht getan: Auf der erwähnten Verwirrung baut nämlich ein ganzes Gesellschaftssystem auf, das alle Lebensbereiche durchzieht – das Patriarchat.

Wikipedia definiert es so:

Patriarchat (wörtlich „Väterherrschaft“) beschreibt in der Soziologie, der Politikwissenschaft und verschiedenen Gesellschaftstheorien ein System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen und Verhaltensmustern, das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird.

Nun ergänze ich um ein paar Hintergrundinformationen:

Die sozialen Rollen „Frau“ und „Mann“ werden allen Menschen in patriarchalen Gesellschaften von Geburt an anerzogen. Jede Rolle enthält bestimmte Verhaltensmuster bezüglich Geschlecht und Sexualität.

Da Kinder hauptsächlich durch Vorleben und Nachahmen lernen, nehmen nicht nur die Eltern, sondern auch das gesamte Umfeld eines Kindes (Verwandte, Nachbarn, Kindergarten, Schule, Geschäfte, Werbung, Popkultur, Medien, usw.) Einfluss auf die soziale Rolle des Kindes. Die erlernten Verhaltensmuster brechen sich dann beim Erwachen der eigenen Sexualität ihre Bahn und beeinflussen unbewusst die Gedanken, Einstellungen und Handlungen jedes erwachsenen Menschen.

Die beschriebenen sozialen Rollen werden gerne mit Geschlechtern verwechselt – statt zwei sozialen Rollen wird dann die Existenz von nur zwei Geschlechtern behauptet. Diese Denkweise heißt die binäre Geschlechterordnung und ist ein patriarchales Lügenkonstrukt. Die beiden sozialen Rollen sind nämlich nicht biologisch oder genetisch festgelegt, sondern nur insofern mit Geschlechtern verbunden, als dass Menschen mit Vulva in der Rolle „Frau“ sowie Menschen mit Penis in der Rolle „Mann“ erzogen werden.

Bei der Mehrheit der erwachsenen Menschen nehmen daher Menschen mit Vulva meistens die Rolle „Frau“ sowie Menschen mit Penis meistens die Rolle „Mann“ ein. Minderheiten wie Trans-Menschen und weitere Geschlechter sind allerdings genauso Mitwirkende der patriarchalen Rollenverteilung: Auch sie fallen durch ihr unbewusstes Verhalten entweder überwiegend in die Rolle „Frau“ oder „Mann“.

Die sexuelle Orientierung hat mit der sozialen Rolle übrigens gar nichts zu tun: So kann eine lesbische genauso wie eine Hetero-Frau verhaltensgleich die Rolle „Frau“ einnehmen, lediglich die erotischen und romantischen Wünsche sind an ein anderes Geschlecht gerichtet.

Allerdings kommt zu diesem Sachverhalt noch etwas hinzu: Wer beginnt, die eigene Rolle als eingeprägtes Muster zu bemerken, kann unbewusst oder bewusst unabhängig von Erziehung oder Geschlecht in die jeweils andere Rolle wechseln. Daher gibt es Frauen in der Rolle „Mann“, Trans-Männer in der Rolle „Frau“ oder aber weitere Geschlechter in der Rolle „Frau“, um einige zu nennen.

Für alle Geschlechter lässt sich das Patriarchat auf eine einfache Verleugnung zusammenkürzen:

Frauen wollen keinen Sex, sondern nur Liebe.
Männer wollen keine Liebe, sondern nur Sex.

Das ist die große patriarchale Lüge, die verpackt in den sozialen Rollen „Frau“ und „Mann“ in den patriarchalen Mehrheitsgesellschaften (der eurozentrischen/westlichen, der muslimischen und der russischen/asiatischen Gesellschaft) ständig als Wahrheit verkauft wird.

Diese Lüge mag so direkt aufgeschrieben als bekannter Unfug erscheinen. Da sie allerdings in den meisten Menschen immer noch unbewusst fest verankert ist, ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig, um diese falsche Idee zu entfernen. Mein Blog soll seinen Teil zu dieser Aufklärungsarbeit beitragen.

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